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Keine Gleichstellung für Frauen in Sachen Altersvorsorge

20. März 2019

Frauen fürchten finanzielle Abhängigkeit und Altersarmut immer noch stärker als Männer. Mit gutem Grund, denn Auszeiten zugunsten der Familie stehen dem Aufbau eines soliden Polsters für die Rente im Weg. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. Die Statistik der Deutschen Rentenversicherung untermauert zudem die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge für Männer und insbesondere auch für Frauen.

Vor Kurzem stellte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) eine aktuelle Umfrage zum Thema Altersvorsorge vor. Schwerpunkt der Befragung durch die Forsa Politik- und Sozialforschung GmbH waren mögliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Altersvorsorge sowie bei den Erwartungen an die finanzielle Absicherung und Selbstständigkeit im Alter.

Ein zentrales Ergebnis: Die Angst vor Armut im Alter ist bei Frauen immer noch deutlich ausgeprägter als bei Männern. Für die Studie befragten die Sozialforscher insgesamt 1.004 Bürger im Alter von 18 bis 65 Jahren in Deutschland.

Frauen glauben nicht an finanzielle Unabhängigkeit im Alter

80 Prozent der Befragten streben im Alter finanzielle Unabhängigkeit an. 17 Prozent wollen sich im Ruhestand finanziell auf sich selbst und andere, etwa ihren Partner oder ihre Kinder, verlassen können. Fast die Hälfte der Umfrage-Teilnehmerinnen, nämlich 45 Prozent, geht aber davon aus, dass sie auf finanzielle Unterstützung im Alter angewiesen sein wird. Zum Vergleich: Nur 26 Prozent der Männer glauben, dass sie im Ruhestand finanzielle Hilfe brauchen.

Und noch ein Unterschied: 27 Prozent der Männer rechnen damit, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können, bei den Frauen sind es dagegen 34 Prozent. Nur elf Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass sie sich im Rentenalter finanziell gar nicht einschränken müssen, bei den Männern waren es dagegen 17 Prozent. Wer davon ausgeht, seinen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können, hat dafür verschiedene Erklärungen.

Fast zwei Drittel der Befragten, im Detail 65 Prozent, begründen ihre Einschätzung damit, dass die gesetzliche Altersrente oder Pension nicht sicher ist. Besonders häufig wird diese Ansicht von den unter 40-Jährigen geteilt. 27 Prozent geben an, dass ihre Ansprüche sehr niedrig seien. Fast jede dritte Frau (30 Prozent) glaubt, aufgrund von Kindererziehungs- oder Familienzeiten nicht die Gelegenheit zu haben, eine ausreichende Altersvorsorge aufzubauen. Bei den Männern ist dieser Anteil mit sechs Prozent deutlich geringer.

Kein Geld und/oder zu wenig Informationen

Zwar haben bereits 75 Prozent der Befragten eine private Altersvorsorge, doch immer noch fast ein Viertel (23 Prozent) hat keine zusätzliche Absicherung im Alter.

Die Gründe für die fehlende Vorsorge sind laut Umfrageauswertung vielfältig: 58 Prozent derjenigen, die noch keine Altersvorsorge haben, erklärten, dass sie nicht über die finanziellen Möglichkeiten für eine private Vorsorge verfügen. Jeder Vierte gab an, nicht zu wissen, welches Angebot das für den persönlichen Bedarf richtige sei, sie fühlen sich zu wenig informiert oder müssten sich zu stark bei anderen Ausgaben einschränken (beide 24 Prozent).

16 Prozent kritisieren, dass der Staat zusätzliche Altersvorsorge zu wenig fördert. 15 Prozent sind der Ansicht, dass ihre gesetzliche Rente oder Pension für das Alter ausreiche und 14 Prozent sparen für andere Anschaffungen. Dass ihr Arbeitgeber sie nicht über die Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung und der Entgeltumwandlung informiert hätte, geben elf Prozent der Befragten als Begründung für die fehlende private Altersvorsorge an.

Deutliche Rentenunterschiede zwischen den Geschlechtern

Dass beide Geschlechter eine private Altersvorsorge benötigen, um den bisherigen Lebensstandard halten zu können, zeigen mitunter die Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Während bei den männlichen Rentenbeziehern, die erstmalig 2017 eine gesetzliche Altersrente erhalten haben, die monatliche Rentenhöhe bei 1.048 Euro lag, betrug für die gleiche Zeit die durchschnittliche Altersrente bei den weiblichen Neurentnern nur knapp 716 Euro.

Noch dramatischer ist die Situation für alle, die noch keine 35 Jahre Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können und nur Anspruch auf eine normale Altersente, auch Regelaltersente genannt, haben. Männliche Neurentner erhielten 2017 im Schnitt etwa 718 Euro und weibliche Neurentner sogar nur 465 Euro monatliche Regelaltersrente.

Doch selbst wer mindestens 45 Jahre Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung hat und deswegen Anspruch auf eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte, also die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren, bekommt, kann auch damit den bisherigen Lebensstandard meist nicht halten. Die durchschnittliche monatliche Rentenhöhe für diese Rentenart betrug für Neurentner in 2017 knapp 1.240 Euro – bei den Männern waren es 1.386 Euro und bei den Frauen 1.063 Euro.

Notwendige Altersvorsorge – für Mann und Frau

„In puncto Altersvorsorge besteht bei der Gleichstellung von Frauen und Männern noch Nachholbedarf“, betont Dr. Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung beim GDV und Experte im Bereich Altersversorgung. Wer befristet aus dem Beruf aussteige oder in Teilzeit arbeite, reiße Lücken bei der eigenen Altersvorsorge. „Um negative Folgen im Alter zu vermeiden, sollten die notwendigen Altersvorsorgebeiträge während dieser Zeiten von den Partnern gemeinsam aus der Haushaltskasse gestemmt werden“, fasst Dr. Schank zusammen.

Wie die Fakten zeigen, ist es für Männer und besonders für Frauen wichtig, für das Alter privat vorzusorgen. Dennoch verzichten immer noch zahlreiche Bürger auf eine mitunter vom Staat geförderte Altersvorsorge, so ein Ergebnis der Umfrage. Wer sichergehen möchte, dass die gesetzliche und eventuell bereits vorhandene private und/oder betriebliche Altersvorsorge reicht, um im Rentenalter den Lebensstandard halten zu können, kann sich von einem Versicherungsfachmann beraten lassen.

Dieser Experte analysiert nicht nur, welches Einkommen im Alter dazu notwendig wäre und zwar unter Berücksichtigung der individuellen gesetzlichen Rentenhöhe und der voraussichtlichen sonstigen Alterseinkünfte. Der Fachmann erklärt auch, welche Altersvorsorgelösungen im individuellen Fall besonders sinnvoll sind. Selbst wer glaubt, aktuell keinen finanziellen Spielraum für eine Altersvorsorge zu haben, sollte sich beraten lassen, denn manche Vorsorgemöglichkeiten – beispielsweise mit einer staatlichen Förderung – erschließen sich erst nach einer gründlichen Analyse.

(Text: verpd / Bildquelle: pixabay)

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